Mehr Wissen. Weniger Kosten. Teil 2.

Teil 2: Der einfachste Einstieg – das Balkonkraftwerk

Für rund 500 Euro kann man heute auf dem eigenen Balkon Strom erzeugen, den man sonst für etwa 37 Cent je Kilowattstunde aus der Steckdose kaufen müsste. Noch vor wenigen Jahren wäre das teurer und deutlich komplizierter gewesen. Heute ist das Balkonkraftwerk der einfachste Einstieg in die eigene Stromerzeugung. Im ersten Teil dieser Reihe haben wir gesehen, warum sich das überhaupt lohnt: Der größere Teil des Strompreises steht fest, und senken lässt er sich nur, indem man weniger Strom aus dem Netz kauft.

Ein Balkonkraftwerk, auch Steckersolargerät genannt, besteht im Kern aus ein oder zwei Solarmodulen, einem kleinen Gerät namens Wechselrichter und einem Kabel mit Stecker. Die Module wandeln Sonnenlicht in Strom, der Wechselrichter macht daraus normalen Haushaltsstrom, und dieser fließt über die Steckdose in das Stromnetz der Wohnung. Dort wird er sofort von allem verbraucht, was gerade läuft. Man kann es sich wie ein Haushaltsgerät vorstellen, das keinen Strom verbraucht, sondern welchen erzeugt.

Was passiert, wenn das Gerät mehr Strom liefert, als gerade gebraucht wird? Dann fließt der Überschuss automatisch ins öffentliche Netz. Bezahlt wird er dafür in aller Regel nicht: Für die kleinen Mengen eines Balkonkraftwerks lohnt sich der Abrechnungsaufwand nicht, weshalb der überschüssige Strom meist unentgeltlich ins Netz geht. Deshalb zählt vor allem der Strom, den man selbst im Moment der Erzeugung verbraucht. Auf diesen Punkt kommen wir am Ende noch einmal zurück.

Das Entscheidende vorweg: Man braucht für ein Balkonkraftwerk kein eigenes Dach. Ein Balkon, eine Terrasse, eine Garagenwand oder eine freie Fläche im Garten genügt. Damit ist es gerade für Mieterinnen und Mieter interessant. Familie Berg aus dem ersten Teil, die zur Miete mit einem Südbalkon wohnt, ist ein typischer Fall.

Womit wir bei der Frage sind, die fast alle zuerst stellen: Darf ich das überhaupt? Die kurze Antwort lautet ja. Seit 2024 gelten Balkonkraftwerke rechtlich als sogenannte privilegierte Maßnahme. Das bedeutet, dass Mietende und Mitglieder einer Eigentümergemeinschaft einen Anspruch darauf haben, ein solches Gerät anzubringen. Man muss die Vermieterin oder die Eigentümergemeinschaft zwar informieren und um Zustimmung bitten, wenn das Modul außen an Balkon oder Hauswand angebracht wird. Ablehnen darf sie aber nur noch, wenn berechtigte Gründe vorliegen, etwa Denkmalschutz oder eine Gefährdung der Bausubstanz. Solche Fälle gibt es durchaus, gerade bei geschützten Fassaden. Eine Absage allein aus optischen Gründen ist dagegen nicht mehr zulässig. Für Familie Berg heißt das: Ein kurzes Schreiben an die Vermietung genügt in aller Regel.

Auch die Bürokratie ist zusammengeschrumpft. Früher musste man ein solches Gerät doppelt anmelden. Heute bleibt ein einziger Schritt: die kostenlose Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, online in wenigen Minuten erledigt. Die früher zusätzlich nötige Meldung beim Netzbetreiber ist komplett entfallen, dieser wird automatisch informiert. Für die Anmeldung braucht man im Wesentlichen die Zählernummer, die auf der Stromrechnung steht. Eintragen sollte man die Anlage innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Diese vereinfachten Regeln gelten bis zu einer Grenze von 800 Watt am Wechselrichter. Diese Schwelle hat der Gesetzgeber bewusst so gewählt, dass zwei übliche Solarmodule an einem Wechselrichter betrieben werden können, ohne dass daraus gleich eine genehmigungspflichtige Anlage wird.

Zwei praktische Hinweise noch. Ältere Stromzähler mit Drehscheibe können bei Einspeisung rückwärts laufen. Das wird übergangsweise geduldet, und der Netzbetreiber tauscht den Zähler ohne zusätzliche Kosten gegen ein modernes Gerät aus. Und der Anschluss über eine ganz normale Steckdose, den Schuko-Stecker, ist inzwischen ausdrücklich erlaubt. Für ein fertiges Standard-Set ist also keine Elektrofachkraft nötig. Wichtig ist nur, dass die Module sturmsicher befestigt sind.

Eine Frage, die viele überrascht: Was passiert bei einem Stromausfall? Man könnte meinen, mit eigenem Solarstrom habe man dann weiter Strom. Das ist nicht so, ein Balkonkraftwerk schaltet sich bei einem Netzausfall sofort ab. Das hat zwei Gründe, die ineinandergreifen. Technisch braucht der Wechselrichter die Frequenz des öffentlichen Netzes, die 50 Hertz, als Taktgeber, an dem er sich ausrichtet. Fällt das Netz weg, fehlt ihm diese Referenz, und er stellt den Betrieb ein. Zusätzlich ist die automatische Abschaltung aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben: Ein Gerät, das ein abgeschaltetes Netz unbemerkt unter Spannung hielte, könnte Menschen gefährden, die gerade an den Leitungen arbeiten. Wer auch bei einem Ausfall versorgt sein will, braucht deshalb zusätzlich einen Speicher mit eigener Notstromfunktion.

Was kostet das Ganze? Einfache Sets gibt es inzwischen ab wenigen Hundert Euro, die Preise sind zuletzt deutlich gefallen, und auf den Kauf fällt derzeit keine Mehrwertsteuer an. Achten sollte man darauf, dass das Set vollständig ist, also Module, Wechselrichter, Kabel und passende Halterung enthält, und dass es den gängigen Sicherheitsnormen entspricht. Die Module dürfen übrigens bis zu 2.000 Wattpeak leisten, also mehr als die 800 Watt, die der Wechselrichter abgibt. Das ist kein Fehler, sondern Absicht: So wird die volle Leistung auch morgens, abends und bei bewölktem Himmel häufiger erreicht.

Bleibt die wichtigste Frage: Was bringt es? Familie Berg schafft sich ein Set für rund 500 Euro an. Auf ihrem Südbalkon liefert es je nach Wetter und Ausrichtung grob 500 bis 700 Kilowattstunden im Jahr. Das ist keine abstrakte Zahl: Es entspricht ungefähr dem, was Kühlschrank, Router, Fernseher und die vielen kleinen Dauerverbraucher eines Haushalts zusammen in einem Jahr ziehen. Und genau hier liegt der Punkt, auf den es ankommt. Ein Balkonkraftwerk rechnet sich über den Strom, den man tagsüber direkt selbst verbraucht, und dafür ist es ideal, denn es deckt die sogenannte Grundlast ab, also die Geräte, die ohnehin ständig laufen. Solange die Sonne scheint, übernimmt das Balkonkraftwerk diesen Dauerverbrauch, und für diese Strommenge muss Familie Berg keinen teuren Netzstrom mehr kaufen. Unterm Strich spart sie damit realistisch rund 150 Euro im Jahr. Das Set hat sich also nach etwa drei bis vier Jahren bezahlt gemacht und liefert danach noch viele Jahre lang nahezu kostenlosen Strom.

Ehrlich bleiben muss man bei einem Punkt: Wer tagsüber nie zu Hause ist und keine Geräte laufen lässt, nutzt einen kleineren Teil des erzeugten Stroms selbst. Der Überschuss fließt dann ungenutzt ins Netz. Wie schnell sich ein Balkonkraftwerk bezahlt macht, entscheidet damit eine einzige Größe: der sogenannte Eigenverbrauch, also der Anteil des selbst erzeugten Stroms, den man auch selbst nutzt. Warum dieser Anteil so wichtig ist und wie man ihn ganz ohne zusätzliche Technik erhöht, ist das Thema des nächsten Teils.

Zum Weiterlesen

https://www.adac.de/rund-ums-haus/energie/versorgung/balkonkraftwerk-anmelden/

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/steckersolar-solarstrom-vom-balkon-direkt-in-die-steckdose-44715

https://www.marktstammdatenregister.de

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