KStA-Redaktion in Brühl schließt

Danke für viele Jahre kritische Begleitung

Wir sind traurig, denn morgen schließt die Rhein-Erft-Redaktion in Brühl. Zum 30. September endet die Rheinische Redaktionsgemeinschaft, die bisher die Lokalteile von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau für das Umland produziert hat. 57 Vollzeitstellen fallen weg, die Regionalberichterstattung wird künftig von digitalen Regio-Teams und mit deutlich mehr Automatisierung und KI organisiert.

Für uns ist das nicht nur irgendein abstrakter Strukturwandel in der Medienbranche. Es geht um Menschen, die wir seit Jahren kennen. Jörn Tüffers, Oliver Trip, Margret Klose, Eva-Maria Zumbé und viele andere haben die Erftstädter Politik über lange Zeit begleitet. Sie saßen in Rats- und Ausschusssitzungen, die sonst kaum jemand verfolgt, haben am Rand angesprochen, was in der Vorlage nicht zusammenpasste, und am nächsten Tag darüber geschrieben. Sie haben auch uns Grünen nicht jede Formulierung durchgehen lassen, und das war richtig so. Wer über Jahre dieselbe Stadt begleitet, weiß, welche Debatte schon dreimal geführt wurde, wer bei welchem Thema mitredet und wann aus einer kleinen Meldung eine größere Geschichte wird. Dieses Wissen hat unsere Arbeit besser gemacht, manchmal auch unbequemer.

Der Verlag sagt zu, dass die Zeitungen weiter im bisherigen Umfang mit eigenen Lokalteilen erscheinen. Ob das gelingt, wird sich nicht an der Seitenzahl zeigen, sondern daran, ob künftig noch jemand im Sitzungssaal sitzt und nachfragt. Digitale Arbeitsabläufe sind für sich genommen kein Problem. Eine KI kann Texte aufbereiten. Sie kann aber nicht nachhaken, wenn im Ausschuss etwas nicht stimmt, und sie kennt niemanden in Lechenich, Liblar oder Friesheim.

Wo niemand mehr genau hinschaut, wächst die Versuchung, Dinge unter sich auszumachen, und die Deutungshoheit geht an diejenigen, die mit Gerüchten und Halbwahrheiten arbeiten. Demokratie vor Ort braucht Öffentlichkeit vor Ort.

Auch unser Kreisverband hat das Thema aufgegriffen: Die Kreismitgliederversammlung hat einen Antrag für einen starken Lokaljournalismus im Rhein-Erft-Kreis beschlossen. Darin appellieren wir an DuMont, die Entscheidung zu überdenken und Verantwortung für die Beschäftigten zu übernehmen, und unterstützen eine staatsferne, transparente Förderung von Lokaljournalismus, wie sie die grüne Bundestagsfraktion vorgeschlagen hat.

Allen, die jetzt vor einer ungewissen beruflichen Zukunft stehen, wünschen wir von Herzen alles Gute. Danke für kritische Fragen, für Ausdauer in langen Sitzungen und für jeden Artikel, der Menschen in Erftstadt erklärt hat, was vor ihrer Haustür entschieden wird.

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