Der Haushalt – Kapitel 1
Wie groß ist das Loch?
18,4 Millionen Euro. So viel fehlt im Jahr 2026, obwohl die Grundsteuer bereits erhöht wurde.
18,4 Mio. €
Fehlbetrag 2026, nach der Grundsteuererhöhung
22 Mio. €
wären es ohne die Erhöhung gewesen
-12,6 Mio. €
vorläufiges Ergebnis 2025, geplant waren -9,8 Mio. €
2.700 €
Schulden der Stadt je Einwohnerin und Einwohner, ohne Eigenbetriebe
Die einfache Rechnung
Ein städtischer Haushalt ist im Kern eine einfache Rechnung: Was nimmt die Stadt ein, was gibt sie aus. In Erftstadt geht diese Rechnung seit vielen Jahren nicht auf. Für 2026 hat der Rat einen Haushalt beschlossen, in dem 18,4 Millionen Euro fehlen. Der Entwurf des Kämmerers vom Februar war noch von 17,5 Millionen ausgegangen; bis zum Beschluss im März kam knapp eine Million dazu, vor allem, weil das Land seine Zuweisungen niedriger berechnete als geplant. Und das ist der Wert nach der Grundsteuererhöhung vom März. Ohne sie wären es rund 22 bis 23 Millionen gewesen.
Das Loch ist nicht neu
Das Loch ist nicht neu. Von 2018 bis 2024 hat Erftstadt in keinem Jahr im laufenden Geschäft mehr eingenommen als ausgegeben. Die Jahre 2022 und 2023 sehen im Abschluss nach Überschuss aus, aber das lag an außerordentlichen Erträgen nach der Flut und an Ukraine-Hilfen des Landes. Im laufenden Geschäft fehlten auch dort 1,8 beziehungsweise 0,9 Millionen Euro. Rechnet man sie heraus, war auch dort das Ergebnis negativ. 2024 endete vorläufig mit einem Minus von 9,1 Millionen Euro; der Jahresabschluss ist noch nicht festgestellt. Für 2025 hat die Verwaltung im Genehmigungsverfahren ein vorläufiges Ergebnis von minus 12,6 Millionen Euro gemeldet, fast drei Millionen schlechter als geplant, und damit das zweite Jahr in Folge, in dem das Ergebnis hinter dem Plan zurückbleibt.

Von der Substanz leben
Wer dauerhaft mehr ausgibt, als er einnimmt, lebt von der Substanz. Bei einer Stadt heißt diese Substanz Eigenkapital. Der Teil davon, der für schlechte Jahre gedacht ist, die Ausgleichsrücklage, war Ende 2024 aufgebraucht. Seitdem geht jedes Defizit an die allgemeine Rücklage, und der Fehlbetrag 2026 allein halbiert sie beinahe. Weil laufende Ausgaben über Kredite finanziert werden, kommen steigende Zinsen obendrauf: Die Verbindlichkeiten des städtischen Haushalts liegen Anfang 2026 bei rund 133,7 Millionen Euro, rund 2.700 Euro pro Einwohnerin und Einwohner, davon rund 1.230 Euro Kassenkredite. Das Land übernimmt 2026 nach dem Altschuldenentlastungsgesetz 15,8 Millionen Euro Kassenkredite; das stützt das Eigenkapital einmalig, ändert am laufenden Loch aber nichts.
Zwei Dinge vorweg
Zwei Dinge sind wichtig, bevor man weiterliest. Erstens: 18,4 Millionen sind kein Ausrutscher, sondern der Normalzustand, nur erstmals ohne Sonderzahlungen, die ihn verdecken. Zweitens: Die Erhöhung der Grundsteuer im März hat das Loch nicht geschlossen, sondern nur verkleinert. Das Problem ist damit nicht erledigt, es ist nur kleiner geworden.
Zum merken
Das Loch ist nicht neu. Neu ist nur, dass niemand mehr so tun kann, als wäre es nicht da.
Quellen: Haushaltsplan 2026 der Stadt Erftstadt (Entwurf) und beschlossene Haushaltssatzung 2026; Haushaltsreden von Kämmerer Dirk Knips und Bürgermeisterin Carolin Weitzel zur Einbringung; Jahresabschlüsse 2018 bis 2023 (Ergebnis der laufenden Verwaltungstätigkeit, außerordentliches Ergebnis); Entwurf des Jahresabschlusses 2024, vom Kämmerer bestätigt, Feststellung durch den Rat steht aus; Controllingbericht der Verwaltung, Hauptausschuss 17.03.2026 (Verschuldung pro Kopf); Genehmigungsbescheid der Kommunalaufsicht des Rhein-Erft-Kreises vom 30.07.2026

