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Projekt „Gesamtbibliothek für Erftstadt“ nach vierjähriger Diskussion gestern von CDU, FDP und FW "zu Grabe" getragen.

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27. Nov. 2019 –

Seit 2015 ringen die Erftstädter Politiker*Innen um eine Lösung in Sachen Gesamtbibliothek, seit unzähligen Ausschusssitzungen, Sonderausschüssen, Arbeitskreis-Sitzungen und sogar in einem extra dafür einberufenen Workshop. Den Erftstädtern ist dabei kaum noch vermittelbar, warum sich dieser Entscheidungsprozess so dermaßen lange hinzieht. Gestern Abend nun kam dieser Prozess zu einem abrupten Ende. Wer gehofft hatte, dass ein avisierter Architekturentwurf für das Gebäude Esserhof Zuspruch erhalten könnte, wurde bitter enttäuscht.

Die Grundvoraussetzungen hatten in den zahlreichen Diskussionsrunden ganz klar folgendes Fazit zu Tage gebracht: 
„Die IST-Analyse der Bibliothek hatte deutlich gemacht, dass die Bibliothek in Erftstadt finanziell im kommunalen Vergleich bereits ganz klar den letzten Platz belegt. Der kleine Personaldeckel mit dem niedrigsten Erwerbungsetat der Region, in Räumlichkeiten, deren beste Zeit schon vor längerer Zeit vorbei war lässt kein Einsparpotenzial mehr erkennen. Sparen heißt also schließen.
Aus demselben Grund liegt die Attraktivität der Bibliothek als städtische Einrichtung im Keller und somit ist z. B. jede Investition in einen neuen Standort sofort ein sichtbarer Mehrwert von mehreren 100 %“ – so die Analyse des Workshops. 

Ausgehend von dieser Analyse war allen Beteiligten klar, es gibt nur die Alternative ‚schließen‘ oder eine attraktive moderne Gesamtbibliothek eröffnen. 

Doch wie so oft, entbrannte wieder einmal der alte Streit um die Frage: „Nach Lechenich oder nach Liblar?“ 
Nach weiteren 3 Jahren Diskussion blieben final dann endlich 4 Standorte übrig, und einer davon ist der Esserhof in Liblar. 
Im Zusammenspiel mit dem Masterplan Liblar und neben der VHS hat der Investor des Esserhofes ein Architekturbüro beauftragt, einen Entwurf für eine Bibliothek zu erarbeiten. Bis gestern Abend war dieser Entwurf allen Ausschussmitgliedern und den Erftstädtern unbekannt. Gestern Abend wurde er vom Architekten vorgestellt. 
Und man muss ganz deutlich sagen: 
es war nicht nur ein architektonisch großartiger Entwurf, hell mit offenen ineinander übergehenden lichtdurchfluteten Räumen, er war darüber hinaus mehr als überzeugend in allen Erwartungen, die heutzutage an eine moderne Bibliothek gestellt werden. Er ist nach neuesten Standards im Hinblick auf Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität entwickelt. Der Entwurf enthält einen ausgedehnten Spielbereich für Kinder, eine separate Zone für Jugendliche für die Nutzung neuer Medien, wo es auch einmal etwas lauter zugehen kann neben attraktiven Ruhezonen und einem ruhigen begrünten Innenhofbereich. Im Erdgeschoss schließt sich eine Gastronomie mit Außenanlage auf dem Marienplatz an, was zur Belebung des Platzes beitragen würde. Darüber hinaus ist ein Saal mit einer Kleinkunstbühne für kleinere Veranstaltungen bis ca. 100 Personen geplant. Auch das ist ein
Zugewinn, denn es gibt zahlreiche Erftstädter Kulturvereine, die ständig auf der Suche nach geeigneten Spielorten sind – seien es Theateraufführungen, Lesungen, Konzerte, auch die VHS könnte dort viele Veranstaltungen stattfinden lassen.
Kurzum, ein Projekt, das nicht nur das ganze Viertel um die Carl-Schurz-Straße aufwerten würde, sondern darüber hinaus überregional Strahlkraft entfalten könnte. 

Wer in der Erwartung zum Ausschuss gekommen war, sich hier erst mal ein Bild über den Entwurf zu verschaffen und dann später alle weiteren Standorte mit ihrem Für und Wider noch einmal in die Waagschale zu werfen, wurde einfach nur bitter enttäuscht.
FDP und CDU hatten zu diesem Sonderausschuss im Gegenzug einen Uralt-Antrag wieder aus dem Hut gezaubert, der damals schon von allen Parteien unisono verworfen worden war. Die seinerzeit veranschlagten Mietkosten waren dermaßen hoch angesetzt, dass man allein schon deswegen nicht lange darüber nachdenken mochte. Darüber hinaus war aber auch der Entwurf enttäuschend, einerseits, weil die Bibliotheksräume im lichtlosen Keller angesiedelt waren, andererseits, weil verschiedentlich nutzbare Räume, Kinderspielbereiche oder gar ein Cafe nicht vorgesehen waren.
Moderne Bibliotheken funktionieren so nicht. 
Aber genau das soll nun Realität werden. 
Schlimmer noch: da man nun das Prinzip der ‚Bipolarität‘ von Liblar und Lechenich erhalten will,
soll nun auch noch der bestehende Standort in Liblar an der Bahnhofstraße erhalten bleiben. Fazit: noch teurer. 
In nichtöffentlicher Sitzung kamen dann die Zahlen auf den Tisch, wonach die Mieten für den Neubau günstiger gewesen sind, als für die Standorte in Lechenich/Kaufhaus Könen und Liblar in
der Bahnhofstraße. Von Sanierungskosten für den Altbau in Lechenich ganz zu schweigen. 

CDU und FDP haben wieder einmal unter Beweis gestellt, wie leichtsinnig sie mit dem Geld umgehen, das Erftstadt nicht hat und wie wenig sie der Wunsch der Erftstädter nach einer modernen Zentralbibliothek interessiert, die auch Anlaufstelle für Jugendliche und Kulturschaffende wäre. Erftstädter Bibliotheksnutzer/innen werden sich so weiterhin mit einem nicht zeitgemäßen Angebot und unattraktiven Öffnungszeiten abfinden müssen.

Und wieder einmal wird deutlich, dass Erftstadt ein verschlafenes Nest zwischen Mülldeponie und Rübenacker ist, das den Anschluss an zeitgemäße Entwicklungen verpasst. 

Aber vielleicht ist es den Erftstädtern ja auch nicht egal, was hier so passiert; es gibt immerhin die Möglichkeit, sich auch mal dagegen zu wehren.

Gez.
Birgit Foken-Brock
Ratsmitglied

Marion Sand
Fraktionsvorsitzende

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